Die Wachstumsfalle – Welche Wege führen heraus?


Auch nach 40 Jahren stellt sich die alte, vom Club of Rome schon 1972 aufgebrachte Frage nach den „Grenzen des Wachstums“ in unverminderter Weise. Denn anders als die Ressourcen kommt das Wachstum oder zumindest das Streben danach auf der ganzen Welt nicht absehbar zu einem Ende.

Wissenszuwachs, Fortschritt, Wettbewerb und Schulden erzeugen Wachstumszwänge

Dass die Weltwirtschaft immer wachsen muss, ist für Dr. Thomas Mayer fast schon eine Selbstverständlichkeit:  „Weil der Mensch immer mehr weiß und es in der Natur des Menschen liegt, mehr zu wollen“, sagt der frühere Chefvolkswirt der Deutschen Bank. „Und weil das kapitalistische Wirtschaften dies erfordert“, ergänzt Dr. Thilo Bode, Geschäftsführer von Foodwatch. Der Wettbewerb, dem sich kein einzelnes Unternehmen entziehen kann, sowie die Verpflichtung zum Kapitaldienst gegenüber Fremd- und Eigenkapital erzeugen Druck und zwingen einzelne Unternehmen und ganze Volkswirtschaften zum dauerhaften Wachstum. Für viele arme Regionen der Welt ist das Streben nach mehr Wachstum schlicht ein Gebot des Humanismus.

Handelt es sich um ein Grundproblem für die Welt, aus dem die Pflicht zu einem Systemwechsel abgeleitet werden kann?  Nicht für Mayer oder Bode: Schuldenbasiertes Wirtschaften, besser gesagt, das Sparen und Investieren, gehört für beide Ökonomen zum gedeihlichen Wirtschaften dazu. Schließlich lägen unternehmerische Ideen und Kapital zumeist nicht in einer Hand. Wenn das Wachstum also gewissermaßen in der Natur vieler einzelner Menschen liegt und - mit Blick auf die rapide steigende Weltbevölkerung - auch der Menschheit an sich, muss eine Lösung für den Umgang mit den knappen Ressourcen gefunden werden.

Wachstum und Ressourcenverbrauch müssen entkoppelt werden

Wie lässt sich die Welt besser organisieren zugunsten nachwachsender Generationen? Wie stark ist neues Wachstum an den Verbrauch von immer mehr, immer neuen und, vor allem, nicht-erneuerbaren Ressourcen gekoppelt? Fortschrittsgläubige weisen auf die Chancen wissensbasierten Arbeitens hin und streiten etwa darüber, ob wissensbasiertes Wachstum etwa auch ressourcenneutral ausfallen kann.

Unter Fachleuten ist das – ebenso wie bei Mayer und Bode – umstritten. Schließlich verbraucht auch die digitale, nicht-physische Welt Energie, etwa zur Verwaltung der großen Datenmengen in den Rechenzentren, argumentiert Thilo Bode. Auch die Wissenswelt erzeugt insofern Stoff- und Güterströme, Computer müssten aus endlichen Rohstoffen hergestellt werden. Dennoch kann man auch Mayers Argumentation folgen, der die Kraft des Fortschritts betont. Und wie steht es mit dem Zusammenhang von Wirtschaftswachstum und Glück? Die ökonomische Forschung kennt einen abnehmenden Anstieg der Zufriedenheit ab einem gewissen Wohlstandsniveau.

Einige Wachstumserwartungen sind schier unumgänglich. Die Weltbevölkerung wächst in den kommenden Jahrzehnten seriösen Schätzungen zufolge auf bis zu 9 Milliarden Menschen. Diese müssen ernährt werden. Am effektivsten wäre dies mit einer auf Getreide basierenden Kost. Der in der westlichen Welt übliche hohe Fleischkonsum von mehr als 90 kg pro Kopf hingegen blockiert die größten Teile des Ackerlandes für die Ernährung der Tiere. Durch eine Senkung des Fleischkonsums könnte die angespannte Versorgungssituation deutlich entlastet werden. Strittig ist auch die Verwendung von energiereichen Feldfrüchten für die Energiegewinnung im Tank. Auch hier geht wichtige Ackerfläche verloren, die nicht mehr direkt der Ernährung von Menschen zugute kommen kann.

Die Menschen des Westens sollten sich selbst und ihren Fleischkonsum einschränken, finden die Diskutanten. Sie sollten das Vorbild für die Schwellenländer bieten.

Kosten internalisieren

Vorgaben dazu können nur aus der Politik kommen. Bode und Mayer erörtern im Weltenwandler-Gespräch, wie man durch eine Internalisierung der tatsächlichen Preise in die Energie- und Fleischproduktion nach einer „Rahmensetzung“ durch die Politik (Mayer) zu einer nachhaltigen Ordnung gelangen könnte, indem der Konsument zu dann echten Preisen neu frei entscheiden kann (Konsumentensouveränität).

Partikulare Interessen eindämmen

Damit die Mehrheit in einer Demokratie zu ihrem Recht kommt, muss die Debatte über die gewünschten Ziele in der Mitte der Gesellschaft offen geführt werden. Dies ist nicht leicht, lassen sich partikulare Interessen von Lobbygruppen doch deutlich wirksamer organisieren als die oft diffusen und vielfach divergenten Interessenlagen des Gemeinwohls. Eine allgemeinverbindliche Lösung gibt es nicht. Der Aushandlungsprozess läuft ständig weiter. Alle sollten beim Aushandeln der gesellschaftlichen Ziele mitmachen, fordern die Gesprächsteilnehmer bei Weltenwandler.

Freuen Sie sich auf die Begegnung und den intellektuellen Schlagabtausch zweier ökonomischer Vordenker aus unterschiedlichen Denkschulen. Wir wünschen Ihnen viel Vergnügen und einen reichen Erkenntnisgewinn!