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Vordergründig betrachtet leben wir in der freiesten Epoche der deutschen Geschichte. Glauben bzw. Religion, Presse, Kunst und Wissenschaft genießen Freiheiten im Verfassungsrang. Doch ist die Freiheit stets bedroht.

Durch ihre Geringschätzung droht die Gesellschaft, werterelativ zu werden. Die zunehmende Individualität von Lebensentwürfen, die sich etwa in der Selbstverwirklichung manifestiert, bedroht die gemeinsame Wertebasis und unterhöhlt den gesellschaftlichen Kitt. Die Ideologie des Neoliberalismus hat im Finanzsektor verantwortungslose Exzesse gezeitigt und die Gesellschaft in Mithaftung genommen.

Wieviel Binde- und Fliehkräfte kann und muss eine Gesellschaft aushalten können? Was kann der Einzelne für das Ganze tun, und was die Gesellschaft für den Einzelnen? Die Freiheit ist ein stets von Gefangenschaft bedrohtes Tier. Freuen Sie sich auf eine spannende Debatte aus dem Vogelhaus im Frankfurter Zoo.


Frage von Lina MüllerHeute gibt es wenig Menschen mit Zivilcourage, das ist zumindest mein Eindruck. Was ist für Sie neben Vorbildern entscheidend für die Förderung der Zivilcourage der Menschen? ANTWORT:
Dr. Hildegard Hamm-Brücher: Von der Jugend an sollte über Beispiele gesprochen werden, man sollte sie zur Diskussion stellen und Mut machen.

Frage von Gerhard WeisbrotAn Frau Hamm-Brücher: In welcher Hinsicht hat Ihre Tätigkeit im Auswärtigen Amt ihren Einstellung zur Freiheit verändert, geprägt? ANTWORT:
Sie hat sich nicht verändert, eher bekräftigt.

6 DISKUSSIONSBEITRÄGE

Rebecca H., 09.11.12, 22:44 Uhr
erstaunlich locker die Hilde... aber ernsthaft: beide
erwähnen viele dinge, die wir als so
selbstverständlich erachten und garnicht mehr
würdigen. selbst wenn unsere freiheit heute viel
vielschichtiger und subtiler bedroht wird als viellicht
in früheren zeiten. Geschichte ist geschichte aber die
methoden sind heute viel subtiler.. man muss wachsam
bleiben.

Marion Bittner, 08.11.12, 16:55 Uhr
Politiker sind auch nur Menschen, die Ihren eigenen
Bedürfnissen und Interessen folgen. Traurig aber wahr.
Und wir opfern aufgrund von Bequemlichkeit unsere
Freiheit.

Nils Tanner, 08.11.12, 16:53 Uhr
Wir sind frei, aber wir haben definitv den Überblick
verloren! Jeder schiebt die Verantwortung von sich, das
fängt im Alltag an. Vielleicht sollten wir im kleinen
anfangen, bevor wie das große Ganze kritisieren.

Dieter Kult, 05.11.12, 21:07 Uhr
Im Sozialismus hatten wir die Freiheit von
Existenzängsten, heute haben wir die Freiheit des
Kapitals. Was wir brauchen ist aber die Freiheit der
Menschen!

Karsten Schröder-Siebert, 23.10.12, 17:07 Uhr
Mal gespannt was das Interview als Ergebnis bringt.
Definitiv ein spannendes Thema!

Corinna Meier, 23.10.12, 16:30 Uhr
Schwieriges Thema. Wissen wir heute überhaupt was
Freiheit bedeutet?