Hildegard Hamm-Brücher













Für Dr. Hildegard Hamm-Brücher ist Freiheit das Thema ihres über 90 jährigen Lebens. Die Tochter aus großbürgerlichem Haus, deren Eltern sehr früh verstarben, legte 1939 das Abitur ab. Die NS-Zeit überstand die Studentin der Chemie, deren Großmutter Jüdin war, durch den Schutz ihres Doktorvaters unbeschadet. Nach dem Krieg engagierte sie sich in der FDP, war als erste Frau Kultusministerin in Hessen und von 1974 bis zum Bruch der sozialliberalen Koalition 1982 Staatsministerin im Auswärtigen Amt unter Hans-Dietrich Genscher. 1994 nominierten die Liberalen sie als Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten. Immer wieder kämpfte Frau Hamm-Brücher gegen Widerstände in ihrer Partei und bewies Mut, etwa als sie sich gegen die rein parlamentarische Wahl Helmut Kohls zum Bundeskanzler ohne Volksbefragung aussprach. 2002 trat sie aus Protest gegen den populistischen Kurs der FDP aus der Partei aus.

Vordergründig betrachtet leben wir in der freiesten Epoche der deutschen Geschichte. Glauben bzw. Religion, Presse, Kunst und Wissenschaft genießen Freiheiten im Verfassungsrang. Doch ist die Fre...